Musik für Bauch, Bein und Herz

Die brasilianische Samba-Musik ist nicht nur ein Stil, sondern ein Überbegriff für ziemlich unterschiedliche nicht-religiöse Musik- und Tanzformen.

Der Begriff "Samba" ist seit 1838 aus schriftlichen Quellen bekannt und ersetzt ab dem beginnenden 20. Jahrhundert weitgehend den Begriff "Batuque". Für die Ableitung des Wortes "Samba" gibt es verschiedene Erklärungen: Die Ableitung vom angolanischen "Semba" ("umbigada", Bauchnabelberührung) ist zweifelhaft, die Umbundu-Sprache kennt den Begriff "Esemba, Olisemba" mit der Bedeutung "Tanz zum Klatschen der Hände". Aus dem Kimbundu stammt "Disemba", aus dem Kikoongo "Masemba", beide bedeuten "gegenseitiges Berühren des Unterleibes" (bedeutungsgleich mit "Umbigada"). Kimbundu kennt allerdings auch "Sesemba", "Tanz mit schlurfenden Füssen". Im Jahre 1500 vom Seefahrer P.A. Cabral betreten und als Kolonie Portugals deklariert, entwickelt sich Brasilien zum Zuckerrohr-, Kaffee- und Diamantenstaat.

Für die körperliche Schwerstarbeit werden Sklaven aus Afrika nach Brasilien verschleppt. Samba war ursprünglich eine Mischung aus den Rhythmen der westafrikanischen Sklaven mit indianischer und portugiesischer Musik, wobei der Hauptteil von den Sklaven stammt. Teilweise lassen sich die komplizierten Rhythmen zurückverfolgen bis zur Trance-Musik der Candomblé-Kulte, einige Sambas sind auch aus Sprachformeln in Portugiesisch und Yoruba entstanden, die verschlüsselte Nachrichten weitergaben, die die Sklaven nicht laut aussprechen durften. Elemente des angolanischen Semba flossen ebenso ein wie die böhmische Polka bzw. ihre spätere, brasilianisierte Form (Rancho aus Bahia), und die afrikanischen Batúques. Erst 1888 wird die Sklaverei aufgehoben. Zu diesem Zeitpunkt haben sich in Bahia und Rio de Janeiro aus den afrikanischen Reigentänzen der Sklaven bereits sambaartige Tänze entwickelt, zu denen schlicht getrommelt wird. Schließlich lässt sich eine Trommel ziemlich einfach herstellen in den Ende des 19. Jahrhunderts entstehenden Slums brasilianischer Großstädte wie Sao Paolo und Rio. Gespielt wird die Musik anlässlich religiöser Treffen wie auch als Begleitung des Capoeira, der brasilianischen Kampfkunst.

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